Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon informierte sich über Osteroder Frauenhaus.

Osterode. „Frauenhäuser sind keine Randerscheinung sondern ein wichtiges Fundament einer solidarischen Gesellschaft“, machte die Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Viola von Cramon, deutlich, als sie dem Verein Frauen für Frauen einen Besuch abstattete, um sich über die Situation des Osteroder Frauenhauses zu informieren.

Obwohl es seit vielen Jahren Frauenhäuser gebe und die gesellschaftliche Problematik, die alle sozialen Schichten betreffe, anerkannt sei, litten viele Einrichtungen unter einer unzureichenden finanziellen Ausstattung, bedauerte von Cramon. Sie äußerte zwar Verständnis für die schwierige Haushaltslage der Kommunen, betonte aber auch, dass die Politik nicht an der Unterstützung Hilfebedürftiger sparen dürfe. Deshalb begrüßte sie die Kampagne „Schwere Wege leicht machen!“, mit der die deutschen Frauenhäuser auf ihre Misere aufmerksam machen und sich für eine bundesweit einheitliche, ausreichende und verlässliche Finanzierung auf gesetzlicher Grundlage einsetzen (der HarzKurier berichtete).

Auch das Osteroder Frauenhaus müsse mit knappen Mitteln wirtschaften, erklärte Karin Agsten, Vorsitzende des Vereins Frauen für Frauen, der als Träger der Einrichtung fungiert. Der Landkreis leiste eine Sockelfinanzierung und eine fallbezogene Bezahlung. Sollte es einmal eine schwache Frequentierung geben, würde das zu Schwierigkeiten führen. Die Auslastung betrage im allgemeinen 75 Prozent, im vergangenen Jahr sei sie deutlich höher gewesen, berichtete Astrid Rademacher vom Frauennotruf. Sei das Haus beispielsweise mit zwölf Personen belegt, werde nur der Aufenthalt für die drei Mütter, nicht jedoch für die Kinder bezahlt, nannte sie ein weiteres Manko.

Durchschnittlich drei Monate bleiben von Gewalt betroffene Frauen laut Rademacher in der Einrichtung. So viel Zeit brauche es auch, um sie zu stabilisieren, die oftmals vielfältigen Problemlagen anzugehen und erste Schritte in ein eigenständiges Leben wie Behördengänge oder Wohnungssuche einzuleiten. „Zuerst müssen die Frauen aber zur Ruhe kommen“, betonte die Verantwortliche des Frauennotrufs, damit traumatische Erlebnisse verarbeitet werden könnten. Dank der guten individuellen Betreuung schaffe ein großer Teil der Frauen einen Neuanfang.

„Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Osterode ist gut“, stellte Rademacher fest. Da die Mittel zur Unterhaltung des Frauenhauses allerdings knapp seien, fehle es an Geld für Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit, denn noch immer sei nicht im ganzen Kreisgebiet bekannt, dass betroffene Frauen in der Einrichtung Beratung und Schutz finden. Vor allem kritisierte sie, dass nicht alle Hilfesuchenden uneingeschränkten Zugang zu Frauenhäusern haben, etwa Frauen mit nicht geklärtem Aufenthaltsstatus, Frauen, die auf dem Papier über Vermögen verfügen und für die Kosten selbst aufkommen müssten, oder in machen Bundesländern Studentinnen. Besonders schwer haben es Rademacher zufolge Frauen mit Behinderungen, die ohnehin häufiger Gewalt erlebten. 93 Prozent von ihnen könnten wegen der fehlenden Barrierefreiheit in den meisten Einrichtungen nicht aufgenommen werden.

Deshalb beteilige sich auch das Osteroder Frauenhaus an der Kampagne „Schwere Wege leicht machen!“ und bittet Bürgerinnen und Bürger deren Forderungen mit ihrer Unterschrift auf Postkarten, die demnächst verteilt werden, oder auf Listen, die in Geschäften und Praxen ausgelegt werden, zu unterstützen. Auch online ist eine Registrierung unter www.schwere-wege-leicht-machen.de möglich.

Viola von Cramon zeigte sich beeindruckt von dem Engagement und der Kreativität, das die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Vereins in das Frauenhaus investieren. „Ihnen ist es gelungen, mit sehr sparsamen Mitteln eine individuelle und schöne Atmosphäre zu schaffen, in der die Frauen sich wohl fühlen können“, lobte die Bundestagsabgeordnete. Zudem erhielten Betroffene auch aufgrund des aufgebauten Netzwerks wirkungsvolle fachliche Hilfe.

Von Kerstin-Pfeffer Schleicher